klausmoeller
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"Pizza Kaselowsky"
(in Zusammenarbeit mit Dirk Steinbrenner)

Pizzakarton Vorderseite, Variante "Richard"


 
 
An der Mitte 1997 wieder aufkeimenden politischen Bewegung zur Umbennung der Bielefelder Kunsthalle war ich mit verschiedenen Aktivitäten (Radiosendungen, Bürgerantrag, Kunstaktionen) beteiligt.
Eine davon war der Verkauf des Multiples "Pizza Kaslowsky", eine Pizza in Hakenkreuzform...
 
Auf der Rückseite der Kartonverpackung ist folgender Text zu lesen:

"PIZZA KASELOWSKY 

zum 30jährigen Jubiläum der Bielefelder Kunsthalle

(eine Aktion von Bielefelder Künstlern und KünstlerInnen im Rahmen der "Ausufernden Feierlichkeiten" am 27.09.1998)

1968 faßte der Rat der Stadt Bielefeld den Beschluß, die Bielefelder Kunsthalle "Kunsthalle Bielefeld - Richard Kaselowsky Haus" zu nennen und kam damit der Bitte Rudolf August Oetkers nach, auf diese Art und Weise seinen Stiefvater Richard Kaselowsky zu ehren. (Mit einer Stiftung Oetkers wurde der größte Teil des Baus der Kunsthalle finanziert.)
Aufgrund der Verwicklungen Richard Kaselowskys in das NS-Regime, war dieser Name von anfang an umstritten.
Bis heute stellt dieser Name ein politisches Symbol dar. Er steht für die öffentliche Ehrung eines Nazis, der Mitglied im "Freundeskreis der SS, Heinrich Himmler" war und damit zu den direkten Unterstützern des Terror-Regimes zählt.
Aufgrund des öffentlichen Drucks wurde bereits vorgeschlagen, den Namen in "Ida Kaselowsky Haus" zu ändern. Da aber auch Ida Kaselowsky als aktive Parteigängerin und Vorstandsmitglied der NS-Frauenschaft als vorbelastet gilt, ist dieser Vorschlag als unakzeptabel abzulehnen.
Die Aktion PIZZA KASELOWSKY soll dazu beitragen, öffentlich auf die symbolische Bedeutung des Namens Kaselowsky aufmerksam zu machen und die Forderung, "Richard Kaselowsky Haus" aus dem Namen der Kunsthalle ersatzlos zu streichen, zu unterstützen."


Pizzakarton Vorderseite, Variante "Ida"
Durch die beharrliche Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung namhafter Personen wurde der Druck auf den Bielefelder Stadtrat so groß, dass der Namenszusatz "Richard-Kaselowsky-Haus" wenige Wochen nach dem 30-jährigen Jubiläum der Bielefelder Kunsthalle ersatzlos gestrichen wurde.

Die Diskussion um politische und gesellschaftliche Einflussnahme durch Industrielle wie Rudolf August Oetker ist damit allerdings noch lange nicht zu einem Ende gekommen...

klausmöller, März 2000

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